Autismus und Angst.

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Die Angst lebt im Autisten.

Wenn Angst in Panik umschlägt, wird das Handeln irrational. Während Furcht sich noch auf einen bestimmten Gegenstand richtet, ist die Angst diffuser, sie breitet sich in der Welt aus. Einer konkreten Furcht lässt sich leichter begegnen als der abstrakten Angst. Das autistische Gehirn weist eine Hyperbelastung der Amygdala auf, mit der Folge, dass Situationen ihm Angst bereiten, die für andere eher als angenehm empfunden werden: soziale Begegnungen, volle Räume etc. Solche Kontexte führen zu Schwindel, zu dem Gefühl von Kontrollverlust, zu Erstarrung und Rückzug. Dieser Stress wird in der Folge vermieden.

Ängste und Zwänge sind eng verbunden: Repetitive Handlungsmuster sollen der Angst entgegenwirken, indem sie eine Art von Kontrolle der Umwelt darstellen: Ist der Herd ausgeschaltet, die Tür verschlossen, ist alles noch an seinem Platz? Für den Autisten ist es auch schwer, existentielle Ängste zu verdrängen: Wann und wie sterbe ich, oder die Menschen um mich herum? Werde ich krank, werde ich meine Wohnung verlieren, mein Geld? Wird mir der Himmel auf den Kopf fallen?

Gerät das Leben, wie in der gegenwärtigen Krise, aus den Fugen, steigt das allgemeine Angstlevel im Haushalt der Psyche. Es ist ein Schock, wie schmerzhaft und unleugbar einem vor Augen geführt wird, wie schnell einem die Kontrolle entgleiten kann. Als würde sich das Herz zusammenkrampfen. – Und doch gibt es auch diese Augenblicke, die irgendwie leichter sind, wo man durchatmet, wie um Ruhe zu schöpfen, wo man sich leichter fühlt, gewappnet und mutig, dem zu begegnen, was immer da kommen mag.

von Anonymous

5 Gedanken zu “Autismus und Angst.

  1. Soweit ich etwas vom Autismus begreife, kann ich mir vorstellen, dass die Corona-Krise für einen Autisten schwer zu verkraften ist. Um so mehr freut es mich, von einem solchen Menschen den letzten Satz zu lesen: „Und doch gibt es auch diese Augenblicke, die irgendwie leichter sind, wo man durchatmet, wie um Ruhe zu schöpfen, wo man sich leichter fühlt, gewappnet und mutig, dem zu begegnen, was immer da kommen mag.“ – Ich wünsche Jedem viele solcher Augenblicke!

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  2. Ich denke, es ist sehr unterschiedlich, wie die Krise bewältigt wird.
    Ich komme mit der momentanen Situation zum Beispiel sehr gut zurecht und kann sogar Vorteile aus den Maßnahmen ziehen.
    Mit der Krankheit und den Auswirkungen an sich, ist es etwas anderes. Dass es so wenig Kontrolle über das Virus selber ist, sorgt für ein Gefühl der Ohnmacht und des Kontrollverlusts. Etwas, womit ich schwierig umgehen kann, da es bei mir sehr viel um Kontrolle geht.

    Das sind für mich somit zwei verschiedene Bereiche, die lediglich einen Zusammenhang haben, ich aber dennoch voneinander trennen kann.

    Liebe Grüße

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